Schulgesetz kein großer Wurf

Schulgesetz kein großer Wurf

Schulgesetz kein großer Wurf – VBE-Stellungnahme reicht von Zustimmung bis zu harter Kritik – Mittelstufenschule als halbherzig abgelehnt – Inklusion ohne zusätzliches Personal nicht zu machen – Regelungen zu Verbundschulen und beim Elternrecht begrüßt

„Was lange währt, wird nicht nur gut“, kommentierte der VBELandesvorsitzende Helmut Deckert die heutige Verabschiedung des neuen Schulgesetzes durch den Hessischen Landtag. „Der ganz große Wurf ist es nicht”, stellte er in der Folge fest. Das Gesetz sei zwar überfällig und hege große Pläne, denen es aber im Einzelnen nicht in allen Teilen gerecht werde.

„Auch ohne Reformhektik hat Hessen dringend eine Änderung der Schulstruktur nötig. Wir bräuchten eine beruhigende Bereinigung der hessischen Schullandschaft. Das Gesetz verpasst diese Gelegenheit, selbst bei Beibehaltung von G 8 die 6-jährige Mittelstufe wieder herzustellen und damit die Durchlässigkeit im hessischen Schulwesen.

Stattdessen installiert man neu die Missgeburt der Mittelstufenschule, die Hessens Schullandschaft weiter zersplittert”, zeigte sich der VBE-Chef enttäuscht. „Die Mittelstufenschule ist halbherzig und stellt keine echte Alternative zur bestehenden unüberschaubaren Schullandschaft dar. Die Landesregierung scheut sich offenbar nach wie vor, die allgemeine demografische und die pädagogische Entwicklung im nicht-gymnasialen Bereich anzuerkennen und neben dem Gymnasium eine standfeste zweite Säule als Oberschule zu installieren, die am Ende alle Abschlüsse anbietet und auch den Weg zum Abitur offen hält”, kritisierte Deckert weiter. Mit einer solchen Regelung wäre auch der G 8/G 9 – Streit entschärft und nahezu erledigt. Zudem sei die Mittelstufenschule eine Mogelpackung, weil sie spätestens nach der Klasse 7, dem Gesetz zufolge in der Regel früher, doch wieder auf die althergebrachten Schulformen abziele.”

Abenteuerlich sei es, im Namen der Inklusion bei Eltern die Hoffnung zu wecken, ihr Kind könne unabhängig von einer Beeinträchtigung ab sofort an einer Regelschule gefördert werden, ohne gleichzeitig die entsprechenden Ressourcen zu sichern. Stattdessen werde der Schwarze Peter in Gestalt des Ressourcenvorbehaltes den Schulen, ihren Schulleitungen und den Staatlichen Schulämtern aufgebürdet. Zudem sei der zugehörige bürokratische Aufwand kaum größer und umständlicher zu gestalten.

Die Betonung der sogenannten Selbständigen Schule lasse nichts Gutes erwarten, wenn man nicht die Mittel dazu festschreibe. Im Übrigen, so Deckert, seien die für die Schulen interessantesten Mittel immer noch die der Schulträger. Hier schweige das Gesetz. Man dürfe auch die Gefahr nicht übersehen, dass zukünftig ohne entsprechende zusätzliche Lehrerstellen weitere Aufgaben den Schulen aufgebürdet würden, die sie ohne zusätzliches Personal nicht leisten
könnten. “Hier denke ich”, erläuterte Deckert, „vor allem an eine wirklich selbstständigere Schule, die Inklusion, Umsetzung der Bildungsstandards und ergänzende Personalmaßnahmen in der Schulsozialarbeit und der Verwaltung.”

Eine richtige Lösung nannte Deckert die Möglichkeit von Verbundschulen. Allerdings müsse auch hier darauf geachtet werden, dass dies – etwa durch Wegfall von Leitungsstellen und -stunden, kein Sparmodell würde. Auch die Regelungen im Bereich der Elternvertretung seien sinnvoll und der Realität angemessen. Rundweg abzulehnen sei
die Öffnung für Fremdanbieter in der Schule. Hier stehle sich das Land aus seiner Verantwortung.

„Insgesamt”, so Deckert, „wird der VBE in gewohnt sachlicher Weise die Umsetzung des Gesetzes begleiten und gute wie schlechte Entwicklungen offen benennen. Dazu fehlen allerdings die erforderlichen Verordnungen, die nun unter Zeitdruck bis zum 1. August erstellt werden müssen.”

Zum gleichzeitig beschlossenen Lehrerbildungsgesetz merkte der VBE-Chef an: „Von der versprochenen Verknüpfung der 1. und 2. Phase der Lehrerbildung ist so gut wie nichts übrig geblieben. Man hat aus Kostengründen den Vorbereitungsdienst verkürzt ohne ihn wirklich zu reformieren. Der VBE wird nun mit Interesse verfolgen, ob und wie die Mentoren aus der finanziellen Ersparnis der Verkürzung entlastet werden. Hier sehe ich die Landesregierung im Wort.“

(08.06.11)

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